Initiativen-Konzept "gnUNI-linux"

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https://hu.berlin/gnUNI-linux

Kurzbeschreibung

gnUNI-linux ist ein Initiativen-Konzept, also eine Vorlage bzw. eine Anleitung, um konkrete Initiative zu starten, die das Ziel verfolgen, die IT-Strukturen öffentlicher Bildungsträger so zu gestalten, dass sie von denen, die diese nutzen (der Zivilgesellschaft), plausibel kontrolliert und und nicht nur im Hinblick auf den eigenen Bedarf, sondern in weltweiter Solidarität mitgestaltet werden können, ohne dafür dem Wohlwollen von Monopolisten wie bspw. Microsoft oder Apple angewiesen sein zu müssen.

Das Video der Initiative publiccode.eu verdeutlicht die hier beschriebene Problematik kurz und anschaulich:

Video "Public money? Public code!", fsfe.org, CC-BY

(Sollte das über diesem Satz eingebettete Video nicht sichtbar sein, findet sich eine hier eine Kopie.)

Ein ähnliches kurzes Video der Free Software Foundation verdeutlicht die Vorteile Freier Software auf eher individueller Ebene:

Video "User Liberation", urchn.org/fsf.org, CC-BY-SA

(Sollte das über diesem Satz eingebettete Video nicht sichtbar sein, findet sich eine hier eine Kopie.)

gnUNI-linux geht entsprechend davon aus, dass der digitale Raum konstituierend für die Existenz des Individuums und damit der Zivilgesellschaft im digitalen Zeitalter ist, da gesellschaftliches Zusammenleben die Nutzung des digitalen Raumes mittlerweile voraussetzt. Eine gesicherte Freiheit des Individuums im digitalen Zeitalter kann nur durch Freie Software gewährleistet werden.

Die Dokumentation "Das Microsoft-Dilemma" (2018 - Arpad Bondy, rbb, WDR) verdeutlicht die hier vorgestellte Problematisierung.

Grundgedanken

Öffentliche Bildungseinrichtungen sind im digitalen Zeitalter unumgänglich auf den digitalen Raum angewiesen und gestalten diesen mit. Öffentliche Bildungseinrichtungen können in diesem Zusammenhang ihre Mitgestaltung des digitalen Raumes unmöglich auf Basis proprietärer Software durchführen, sofern sie plausibel dem Anspruch gerecht werden wollen, sich als Teil einer aufgeklärten Gesellschaft zu verstehen.

Die damit angesprochene Debatte ist demnach:
keine technische-funktionale (bspw. in Bezug auf bessere IT-Sicherheit oder Benutzbarkeit),
keine juristische (bspw. in Bezug auf einen besseren Datenschutz),
auch keine ökonomische (bspw. durch Lizenzkosteneinsparungen),
sondern explizit eine gesellschaftspolitische und soziale, die sich entsprechend an folgender (bewusst provokanten) Beispiel-Frage verdeutlichen lässt:

"Angenommen, wir betrachten uns als freiheitlich-demokratische Gesellschaft, die als Zivilgesellschaft den Anspruch hat, den öffentlichen Raum kontrollieren und gestalten zu können (weswegen unsere Autobahnen dem Staat gehören und nicht etwa den Unternehmen, die sie gebaut haben). Ausgehend von diesem Gesellschaftsverständnis verstören uns zentralisierte, intransparente Gesellschaftssysteme wie bspw. Nord-Korea, in denen nicht die Zivilgesellschaft den öffentlichen Raum kontrolliert und gestaltet, sondern eine einzelne, intransparente Machtinstanz (in Form einer einzelnen Partei).
Wie kann es also sein, dass wir als Zivilgesellschaft unseren digitalen öffentlichen Raum (so auch die IT-Strukturen öffentlicher Universitäten) durch den massiven Einsatz von Produkten einzelner, ebenso intransparenter und unkontrollierbarer Instanzen wie Google, Microsoft, Apple, WhatsApp/Facebook für uns unkontrollierbar und nicht gestaltbar machen? Entspricht dieses digitale Nord-Korea unseren Ansprüchen an eine demokratische Zivilgesellschaft?"

Falls die Antwort darauf hoffentlich "nein" ist, stellt sich nun die Frage, wie der digitale Raum durch die Öffentlichkeit kontrollierbar und gestaltbar wäre - Antwort: mit Frei(heitsbewahrend)er Software, also Software, die die nachfolgend vereinfacht dargestellten 4 Freiheiten gewährleistet, nämlich die Freiheit eine Software zu:

1) verwenden
2) verstehen
3) verteilen
4) verändern

"Frei" hat hier entsprechend also nichts mit "kostenlos" zu tun und schließt Kommerzialität auch keinesfalls aus.

Das hier beschriebene Initiativen-Konzept "gnUNI-linux" entstand im Rahmen der stud. Initiative gnuHU-linux an der Humboldt-Universität zu Berlin, wobei die Initiative aus dem Wunsch heraus, ihre Ziele in Bezug nicht nur "lokal" zu denken, mit gnUNI-linux eine "ideelle Vorlage" geschaffen hat, für die sie selbst eine konkrete Umsetzung darstellen möchte.

Der Name "gnUNI-linux" ist eine Zusammensetzung aus GNU/Linux, einem Betriebssystemkonzept basierend auf dem Konzept Freier Software und "UNIversität" (repräsentativ für Bildungsträger).

Ziele

Grundlegend möchte gnUNI-linux Freie Betriebssysteme als Standard-Alternative zu den meist eher verbreiteten unfreien Betriebssystemen wie Windows und MacOS an Bildungsträgern etablieren: Nutzer_innen dürfen nicht gezwungen sein, unfreie Software an öffentlichen Bildungseinrichtungen (die Teil jenes Raumes sind, der unter Kontrolle der Zivilgesellschaft stehen sollte) zu verwenden, sondern müssen standardmäßig zumindest eine alternative Arbeitsumgebung an den von ihnen nutzbaren Computerarbeitsplätzen vorfinden können, die auf Freier Software basiert (also inkl. Betriebssystem).

Dadurch sollen mittelfristig Freie digitale Bildungsprozesse gewährleistet und der als Miss-Stand empfundenen Situation begegnet werden, dass der digitale Raum faktisch von proprietärer Software und Formaten beherrscht wird, die die Freiheit von Bildungsprozessen nachhaltig gefährden.

Langfristiges Ziel soll es sein, ausgehend von den Universitäten, die Wegbereiter des digitalen Raumes waren, zu einem grundsätzlichen Wandel im Umgang mit dem digitalen Raum und der von ihm abhängenden Bildungsstrukturen beizutragen, in der die Freiheit von Nutzer_innen an erster Stelle steht, sodass sichergestellt ist, dass sich Bildungsprozesse freiheitsbewahrend und in der Hand einer digitalen Zivilgesellschaft entfalten können.

Umsetzung

1) gnUNI-linux selbst ist nicht die Initiative, die die oben genannten Ziele umsetzen soll, sondern lediglich ein Konzept, zu deren dezentraler Umsetzung aufzurufen und dafür Hilfestellung zu leisten. Die Umsetzung der oben genannten Ziele soll an jedem Bildungsträger anders aussehen und verlaufen, damit der Gedanke einer gemeinschaftlichen sozialen Bewegung, die von vielen Nutzer_innen des digitalen Raumes ausgeht, gewährleistet bleibt.

2) Eine allg. Vorgehensweise zur Umsetzung von gnUNI-linux wäre demnach:

2.1) Falls die IT-Verantwortlichen eurer Universität keine Arbeitsumgebung auf Basis Freier Software als Standard-Alternative zu bestehenden (und mittelfristig sehr wahrscheinlich auch nicht ersetzbaren) proprietären Arbeitsumgebungen einsetzen und dies ohne "Auftrag von oben" und/oder "Bedarfsanmeldung von unten" (Studierendenschaft) auch nicht tun wollen, ihr dagegen aber etwas tun wollt:

2.2) Überlegt euch genau, ob ihr die Energie für monatelange gesellschaftspolitische (Aufklärungs-)Arbeit habt - es loht sich, allein schon der Erfahrung wegen, ist allerdings auch mit erheblichem Zeitaufwand verbunden (eine Gruppe an Personen ist dafür nicht nötig - auch als Einzelpersonen und ohne Teil eines stud. Gremiums zu sein, könnt ihr eine stud. Initiative starten: "Don't wait for heroes!" (1:12:55). Falls ihr also "loslegen" wollt:

2.3) "Forkt" das Konzept als Initiative an eurer Uni, bspw. als:

GNU/Linux + FU-Berlin = gnuFU-linux / #gnuFU,
GNU/Linux + TU-Berlin = gnuTU-linux / #gnuTU
oder auch: GNU/Linux + UdK-Berlin = gnUdK-linux / #gnUdK.

Achtung: für welchen Namen ihr euch auch immer entscheidet, es wäre wichtig, dass ihr neben dem allg. bekannteren Begriff "Linux" auch "GNU" mit einbezieht, da es das, was allg. unter "Linux" verstanden wird, ohne das GNU-Projekt nicht gäbe und "GNU" das eigentliche Ziel der Initiative verweist: eine soziale Bewegung, die die Freiheit der User (und in diesem Fall ihrer Bildungsprozesse) im digitalen Raum sicherstellen soll. Es ist deswegen wichtig, auf den Terminus "Freie Software" zu verwenden und nicht den bekannteren Ausdruck "Open Source", da Freie Software bereits im Namen auf eine soziale Bewegung abzielt und Open Source auf eine bestimmte Art und Weise Software zu entwickeln - zwischen beidem besteht ein bedeutender Unterschied.

Leitet in diesem Zusammenhang den Hashtag für eure Initiative entsprechend ab. Beispiel: der Hashtag für die Initiative an der HU-Berlin heißt #gnuHU. An der TU-Berlin könnte er entsprechend #gnuTU, an der FU-Berlin #gnuFU und an der UdK-Berlin #gnUdK heißen - seid kreativ und erwähnt #gnUNI immer mit, damit sich eine Vernetzung unter den (bewusst dezentralen) Einzelinitiativen ergibt. Auch wenn ihr selbst nicht "twittert", andere, die vielleicht über euch berichten (werden), tun dies und sind dankbar, wenn sie die Initiative mit Hashtags einfach kontextualisieren können.

2.4) Ihr werden eine Internetseite als Projektseite benötigen, auf die ihr auf Infomateriel (Flyer, Präsentationen, Plakate) verweisen könnt. Falls ihr ggf. keinen eigenen Webspace für eure Initiativseite habt, könnt ihr eure Initiativseite gerne auf dieser Seite hosten (unentgeltlich). Meldet euch ggf. gerne über Kontakt. Nehmt in jedem Fall ein System, dass auch Menschen administratieren können, die wenig IT-Wissen haben (alles, was eine (in diesem Zusammenhang auch unnötige) Datenbank benötigt, wäre demnach weniger geeignet).

2.5) Grenzt eure Zielgruppe genau ab. Wenn ihr bsow. Student_innen seid, die Initiative also eine studentische ist, solltet ihr nur für diejenigen digitalen Strukturen Forderungen stellen, die ihr nutzt bzw. nutzen müsst, also bspw. die Systeme in euren Computer-Pools und Bibliotheken - Forderungen für Systeme zu stellen, die bspw. die Verwaltung nutzt, ist zwar aus einem ideellen Anspruch möglich, überschreitet aber sehr wahrscheinlich schnell euren Zuständigkeitsbereich.

2.6) Sobald Name, Logo, Konzept und Internetseite bereit sind, solltet ihr damit beginnen, ideelle Unterstützung bei Fachschaftsinitiativen aller Fakultäten eurer Uni zu sammeln (Solidaritätsbekundungen) und mit dieser Unterstützung eine ideelle Unterstützung durch euer StuPa beantragen. Dafür solltet ihr auf jeden Fall anbieten, persönlich bei den einzelnen Fachschaften in ihren Versammlungen vorzusprechen - das Thema wird erfahrungsgemäß sonst zu sehr als ein technisches, funktionales oder juristisches missverstanden und deswegen abgelehnt.

2.7) Sobald die ersten Solidaritätserklärungen eingeholt wurden, sich also ungefähr abzeichnet, dass die Initiative positiv von der Studierendenschaft angenommen wird, sollte das Präsidium der Universität und die IT-Verantwortlichen über das Vorhaben informiert und entsprechende Emails gut archiviert werden. Auch wenn daraufhin sehr wahrscheinlich keine Antwort erfolgen wird, darf es später nicht heißen, eure Initiative komme "plötzlich" mit Forderungen.

2.8) Sobald ihr eine plausible Mehrheit der Studierendenschaft auf "eurer Seite" habt (vertreten durch ihre entsprechenden offiziellen Gremien, also Fachschaften und Studierendenparlamente), wendet euch nochmals sowohl an eure Universitätsleitung als auch IT-Verwaltung mit euren konkreten Forderungen.

Wichtig: versteht eure Initiative in diesem Zusammenhang nicht als "Inititiave der Studierendenschaft gegen Universitätsleitung", sondern als Initiative eurer Uni (zu der auch die Universitätsleitung und -verwaltung gehört) für eure Uni.

Als Orientierung kann der erste "Ableger" des gnUNI-linux-Gedankens, die stud. Initiative gnuHU-linux an der Humboldt-Universität Berlin, dienen.

3) Nochmals: eine zentrale Organisation gibt es in Bezug auf gnUNI-linux nicht und soll es auch nicht geben.

gnUNI-linux Logo-Kit

Um den gnUNI-linux-Initiativen ein einheitliches "Gesicht" zu geben und entsprechend der Philosophie Freier Software Modifikationen zu erlauben und zu fördern, wurde im Auftrag der Initiative gnuHU-linux das sog. "gnUNI-linux Logo-Kit" unter CC-BY-SA erstellt. Mit diesem "Baukasten" kann sich jede konkrete gnUNI-linux-Umsetzung eigenes Werbematerial zusammenstellen. Wir hoffen, dass unter Beibehaltung graphischer Grundelemente ein Wiedererkennungseffekt entsteht, der den jeweiligen Initiativen trotz bspw. unterschiedlicher Texte den Charakter einer gemeinsamen sozialen (aber dezentralen) Bewegung verleiht.

Download: gnuni-linux_logo-kit_cc-by-sa_2017-05-19 (7-Zip-Archiv, 37MB)

Logo-Beispiele

Die nachfolgende Komposition zeigt fast alle Elemente des gnUNI-linux Logo-Kits. Sie eignet sich vielleicht zum Druck von Informationsmaterial, da sich an ihr die Vielfalt und Prinzipien Freier Software aufzeigen lassen:


Ursprünglich für die Herstellung von Buttons gedacht kann dieses Logo sicher auch als allgemeines Initiativen-Logo verwendet werden bzw. für Avatare und Icons:


Dies sind nur Beispiele für mögliche Logos. Es ist ausdrücklich erwünscht, diese zu modifizieren, solange die Lizenzbedingungen eingehalten werden, damit die Modifikationen Frei verfügbar bleiben. Bitte beachtet, eurer Initiative einen eigenen Namen zu geben, also nicht "gnUNI-linux" beizubehalten (vgl. die Hinweise im Abschnitt "Umsetzung" bzw. die Grafiken der Initiative gnuHU-linux).

Werbetextvorlage(n)

...für soz. Netzwerke:

https://hu.berlin/gnUNI-linux - Freie Betriebssysteme für freie Universitäten! #gnUNI

Erlaubnis zur Weiterverwendung

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