Aufruf zum #WarOnVirus!

Veröffentlicht am 25. Apr. 2021 (letzte Aktualisierung: 26. Apr. 2021)

Werte Mitmenschen,

die öffentliche Reaktion auf die Protestaktion einer nicht unbedeutenden Zahl deutscher Schauspieler:innen vom 22. Apr. 2021 unter dem Motto #allesdichtmachen ist mit der Gegenreaktion, oft unter dem Hashtag #allesschlichtmachen, eindeutig (ein Beispielkommentar: "Dummheit ist weder lustig noch konstruktiv"). Ein Beitrag dieses zweifelsfreien Querdenkertums, das nun offensichtlich auch die Prominenz deutscher Fernsehkunst unterwandert hat, beschäftigte mich im Kontext der Initiative "Jahr 1 nach Snowden" gedanklich sehr: Der YouTube-Beitrag von Nina Proll maßt sich an, George Orwells berühmte Dystopie "1984" auf die Corona-Politik anzuwenden. Ihr Beitrag im Wortlaut für diejenigen, die lieber lesen:

»Mein Name ist Nina Proll. Ich bin Schauspielerin. Früher dachte ich, ich könne frei und selbstbestimmt Karriere machen. Doch das war naiv. Die Pandemie hat mir gezeigt, wo mein Platz ist. Sie hat mir gezeigt, dass Distanz auch Nähe sein kann, dass Einsamkeit auch Geselligkeit sein kann, dass Sicherheit Freiheit ist, dass Gesunde auch krank sein können. Und nicht nur Frauen sind zu dumm, um zu wissen, was gut für sie ist, auch Männer brauchen eine starke Hand, die ihnen freitags sagt, was sie montags machen dürfen - wen sie treffen, wohin sie gehen, und welchen Beruf sie ausüben dürfen. Gott sei Dank haben wir in Österreich so jemanden. Ich wünsche mir auch weiterhin, dass Virologen unser Leben bestimmen, denn nur sie können beurteilen, was für uns wirklich gesund ist. - Das Leben kann tödlich sein. Bleiben Sie für immer zu Hause und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen. #allesdichtmachen #niewiederaufmachen #lockdownfürimmer«

Worauf sie sich erdreistet, anzuspielen, wird eventuell nur denen deutlich, die "1984" gelesen haben. Daher zur Erklärung für diejenigen, bei denen dies nicht der Fall ist: Der in "1984" herrschende Überwachungsstaat einer Supermacht namens "Ozeanien" vermittelt zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im nicht enden wollenden Krieg gegen die Supermächte "Eurasien" und "Ostasien" den nötigen gesellschaftlichen Konsens durch folgende Parolen:

»Krieg ist Frieden«
»Freiheit ist Sklaverei«
»Unwissenheit ist Stärke«

Gegen jede individuelle Abweichung von diesen Leitlinien des Zusammenlebens geht der Staat in "1984" nicht allein mit Gewalt, sondern mit psychologischer Umerziehung mittels Gedankenpolizei im "Ministerium für Liebe" vor. Nina Prolls dreiste Umdeutung des orwellschen Dreiklangs in Corona-Zeiten lautet nun:

»Distanz ist Nähe«
»Einsamkeit ist Geselligkeit«
»Sicherheit ist Freiheit«

Die Abwendung einer orwellschen Dystopie war seit den Enthüllungen Edward Snowdens meine Hauptmotivation, mehrere Studiensemester in eine Aufklärungsinitiative wie "Jahr 1 nach Snowden" zu investieren. Edward Snowden warnte in einem Videobeitrag im März 2020 vor gesteigerten Überwachungsmaßnahmen und Einschränkung von Grundrechten zur Eindämmung des Corona-Virus und stellte die Frage, wer der bessere Bewahrer der allgemeinen Gesundheit ["protector of public health"] sei: Bereits vorhandene Strukturen der Zivilgesellschaft oder aber politische Entscheidungen, die eine Pandemie überdauern werden? Sein Votum mündete in die Aussage: "Ein Virus ist schädlich ["a virus is harmful"], aber die Zerstörung von Rechten ist verhängnisvoll ["but the destruction of rights is fatal"]!" (die Aussagen finden sich im Zeitabschnitt 17:08-19:53 des Videos).

Ich habe in den letzten Monaten oft überlegt, ob ich vor diesem Hintergrund zu den Maßnahmen der Corona-Politik öffentlich etwas sagen sollte, da viele Bürger:innen mittels Corona-App und neuerdings auch der LUCA-App ihre Hemmschwelle zur Selbstüberwachung nun auch unterwegs weiter senken, nachdem sie zuvor bereits eine gewisse "Alexa" in ihre Wohnzimmer haben einziehen lassen. Ich bin nun jedoch sehr froh, mich doch nicht kritisch zu all dem geäußert zu haben, wo doch nun das Querdenkertum selbst in prominenter Form die Dystopie Orwells für sich anwendet (woran ich nicht ganz unschuldig bin, denn ich selbst habe vor einigen Wochen in der Berliner U-Bahnlinie 8 eine verirrte Seele bemerkt, die auf ihre FFP2-Maske "COVID-1984" zu stehen hatte - im Nachhinein ärgere ich mich, meine Mitmenschen nicht schnell genug mobilisiert zu haben, diesen Coronaopfer-verachtenden Ungeist dem Sicherheitspersonal zu übergeben).

Ich sehe jedenfalls nach Nina Prolls Beitrag mein damals gutgläubig gemeintes Bisschen an Initiativarbeit von "Jahr 1 nach Snowden", bei dem ich mich oft auf George Orwell bezog, zu sehr gefährdet, um weiter stumm zu bleiben und habe überlegt, wie der sich ausbreitenden Querdenker-Querfront am besten beizukommen ist. Erinnern wir uns: Worin nahm der von Snowden aufgedeckte globale Überwachungszustand seinen Anfang? Es war der War on Terror, dessen politische Maßnahmen nicht nur aufgrund der 9/11-Anschläge unser Leben bestimmt, sondern auch aufgrund der terroristischen Attentate in Paris ("Charlie Hebdo", 2015) sowie der Anschläge am Berliner Breitscheidplatz in der Weihnachtszeit 2016. Diese drei sind nur diejenigen Ereignisse, die mir spontan einfallen. Sie allein beweisen aber jenen globalen Terror-Zusammenhang, der für die deutliche Mehrheit einen Schutz der Bevölkerung bei einer terroristischen Lage von globaler Tragweite rechtfertigt. Worauf ich damit hinaus will:

Niemand spricht heute mehr von einem "War on Terror". Könnte es also sein, dass entgegen meiner bisherigen Befürchtungen die mittlerweile dauerhaft geltenden Anti-Terror-Befugnisse des Staates ihre volle Berechtigung haben, weil der "War on Terror" durch diese Maßnahmen zur Wahrung der Sicherheit aller erfolgreich beendet wurde? Wäre da ein neuer Kriegszustand in Deutschland angesichts einer viel höheren Zahl an Corona-Opfern nicht mehr als angemessen? Der "War on Terror" begann schließlich mit immerhin mindestens 6000 Opfern im World Trade Center und war, wie meine wenigen Beispiele zweifelsfrei zeigen, ein Ereignis mit ähnlich globalen Auswirkungen wie die Corona-Krise, die mittlerweile allein in Deutschland mehr als 80000 Todesopfer zu verzeichnen hat. Kurz: 6'000+ Tote → "War on Terror"! 80'000+ Tote → "War on Virus"?

Ich fordere daher:

  1. Einsatz der Bundeswehr im eigenen Land
    Die Polizei allein kann vielleicht der Lage offenen Querdenkertums Herr werden, aber wohl kaum gegen das stille, im Verborgenen agierende vorgehen. Von langer Hand geplante Kampagnen wie #allesdichtmachen belegen es: Die Gefahr eines Krypto-Querdenkertums ist evident. Die Umwandlung des KSK in "Corona Spezialkräfte" wäre nicht nur eine angemessene Antwort auf dieses Problem, sondern auch auf gewisse Reformfragen (win-win).
  2. Eindeutige Formulierungen zu den Corona-Todeszahlen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
    Statt "an oder mit" oder "im Zusammenhang mit Corona gestorben" muss es fortan klar und deutlich "an Corona gestorben" lauten, denn was soll dieses "an oder mit", wenn es für den Ernst der Lage keine Rolle spielt, ob jemand "an oder mit" Corona gestorben ist? Solche Formulierungen mögen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (bekanntlich das letzte Bollwerk gegen die um sich greifenden Fake News) redlich gemeint sein, sie sind aber Nährboden für Zweifel, die weitere Menschenleben kosten werden. Mehr Tote in der Statistik sind schließlich der politisch gewünschten Schockwirkung nur zuträglich.
  3. Verpflichtendes Chip-Implantat zwecks Kontaktverfolgung
    Wenn wir Hunde (bekanntlich die besten Freunde des Menschen) "chippen", warum nicht auch uns selbst? Wir dürfen das Risiko nicht eingehen, dass Menschen vergessen, ihr Smartphone mit auf die Arbeit zu nehmen oder es ausreichend aufzuladen (noch schlimmer: es in der Freizeit bewusst zu Hause lassen). Jede Kontaktverfolgungslücke kostet im Zweifel Humankapital, vor allem solches, das sich wie ich irgendwann weigerte, noch ein Smartphone zu besitzen. (Um mich solidarisch zu zeigen werde ich mir unverzüglich wieder eines anschaffen - meine Gesellschaftsunfähigkeit mangels Telefon hat bei meinen Mitmenschen schon viel zu lange Irritationen und skeptische Blicke hervorgerufen, zuletzt in einer Berliner Bibliothek: "Wie, Sie haben kein Telefon? Dann darf ich Sie nicht reinlassen!")
    Bonus der Maßnahme: Der implantierte Chip könnte per Software-Update später einfach und nachhaltig zum digitalen Impfpass erweitert werden.
  4. Kampagnen zur begrifflichen Neuaufladung des Wortes "freiwillig"
    Die derzeitige Mischung aus freiwilligen Corona-Tests bei gleichzeitigem Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben, sollte man diese Angebote nicht wahrnehmen, geht noch nicht weit genug. Einen impf- und coronatestfreien Zugang darf es in Zukunft höchstens noch zu Lebensmittelgeschäften der "oberen Zehntausend" geben (grobes Kriterium, wer dazugehört: All jene, die "Galeries Lafayette" ohne Autokorrektur in ihr Smartphone tippen können). Alles darunter im Pöbel-Preissegment (ALDI&Co, Postfilialen, Drogeriemärkte) darf für die breite Masse nur noch mit Negativtest und Impfnachweis zugänglich sein. Ein Gang durch die Straßen Berlins zu den Abendstunden zeigt: Obdachlose gibt es genug, die jenen beratend zur Seite stehen werden, die ebenso freiwillig am Rande der Gesellschaft leben wollen wie die Obdachlosen selbst.
  5. Ein öffentliches Exempel an Nina Proll
    Selbstverständlich keine Folter oder gar Haft (wir sind ja schließlich nicht in Russland), sondern harte Sanktionen für jedes Filmstudio, das ihr in Zukunft einen Job gibt.
  6. Verbot von George Orwells Werk "1984"
    Wir sehen an Nina Proll, was für menschenverachtendes Gedankengut dieses Werk bei unbetreuter Reflexion seiner Inhalte außerhalb des legitimen Debattenraums hervorruft.
  7. Auflösung der Reststrukturen parlamentarischer Demokratie bis zur Überwindung der Corona-Krise
    Stattdessen Einsetzung einer Doppel(plusgut)-Spitze aus Jens Spahn und Karl Lauterbach. Neuer Regierungssprecher wird Markus Lanz (ersetzt zugleich die Bundespressekonferenz - und die Journalist:innen derselben).
  8. Sofortige Ausrufung eines "War on Virus" in Deutschland
    Verschärfte Maßnahmenforderungen wie NoCovid oder ZeroCovid gehen angesichts der #allesschlichtmachen-Reaktionen in der dritten Welle nicht weit genug. Es kann nicht sein, dass wir den "War on Virus" nur den Vorreitern westlicher Freiheit wie den USA, Groß-Brittanien oder Frankreich überlassen. "Nie wieder Krieg" ohne uns (und dann unbedingt auch wieder Masken für alle von der Traditionsmarke "Dräger")!
    Bonus der Maßnahme: Der damit einhergehende gesellschaftliche Aktionismus wird Menschen in Selbstisolation neuen Lebenswillen geben und das Denunziantentum (Verzeihung: "Informantentum") bekommt endlich den nötigen gesellschaftlichen Rückhalt.


Sie wundern sich, woher mein Sinneswandel kommt, nachdem mich so viele Jahre gegen staatliche Eingriffe in das persönliche Leben von Menschen engagiert habe? Ich ebenfalls. Es muss etwas mit der wohlwollend-herrschenden Meinung vieler meiner Mitmenschen zu tun haben, die mir in den letzten Monaten immer wieder zu verstehen gaben, dass mit meinen Zweifeln an der Sinnhaftigkeit bzw. Verhältnismäßigkeit bestimmter Corona-Maßnahmen unterm Strich nicht nur etwas, sondern alles nicht stimmen kann. Endlich nun kann ich den letzten Absatz von "1984" persönlich nachempfinden:

»O grausames, unnötiges Mißverstehen! O eigensinniges, selbst auferlegtes Verbanntsein von der liebenden Brust! Zwei nach Gin duftende Tränen rannen an den Seiten seiner Nase herab. Aber nun war es gut, war alles gut, der Kampf beendet. Er hatte den Sieg über sich selbst errungen. Er liebte den Großen Bruder.« ...und auch ich nun all seine Maßnahmen.

Besinnliche Ausgangssperren wünscht Ihnen
Roland Hummel
Initiator #Jahr1nachSnowden

Hinweis: Dies ist ein persönlicher Kommentar des Initiators der Initiative "Jahr 1 nach Snowden". Weder widerspiegelt er an irgendeiner Stelle die Meinung von Gastredner- oder Helfer:innen bzw. Unterstützer:innen der gleichnamigen studentischen Initiative noch wurde er mit ihnen abgesprochen.